Ich wurde1940 in Dahlhausen-Blumenthal (bei Pritzwalk) als
Auslandschweizerin geboren — die Vorfahren der väterlichen Seite stammten
aus der Schweiz — und ich wohnte bis November 1961 dort.
Durch die junge Gemeinde und den Kreisjugendpfarrer Ulli Rohr hörte
ich von einer Bibelfreizeit in Westberlin „Sonnenland“ vom 16.-24. Juni 1961
und meldete mich an. Das Thema war „Herr, lehre uns beten“ und es war ein
Treffen von jungen Christen aus Baden und Berlin-Brandenburg. Diese gemeinsame
Freizeit bleibt für mich unvergesslich und begründete meine Zugehörigkeit
zu einem Freundeskreis in christlicher Gemeinschaft, welche in all den nachfolgenden
Jahren und bis heute für mein Leben große Bedeutung hat.

Nur wenige Wochen nach dieser Freizeit in „Sonnenland“ kam der 13. August
1961 und brachte die schmerzliche Trennung Deutschlands durch die Mauer.
Die schlimmen Auswirkungen dieser Trennung wurden mir erst nach und nach bewusst.
Wie zu Beginn meines Berichtes erwähnt, bin ich Schweizerin, und so
stellten meine Mutter und ich einen Ausreiseantrag und wir konnten Ende November
1961 die DDR verlassen. Der Abschied vom Ort meiner Kindheits- und Jugendjahre
und allen lieben Freunden und Verwandten fiel mir sehr schwer. Viele Briefe
wechselten hin und her und es gab auch etliche Briefe, die nicht ankamen,
schließlich musste zu jener Zeit alles kontrolliert werden.
In der Schweiz fühlte ich mich anfänglich in Bezug auf die kirchliche
Zugehörigkeit sehr einsam. Ein großer Lichtblick waren dann meine
Freunde aus der Gruppe Baden, welche ich im Juni 1961 kennengelern hatte.
So wechselte ich von der Gruppe Ost zur Gruppe West.
In den 60er Jahren und 1970 fuhr ich einige Male mit nach Berlin. Beim
Grenzübergang Friedrichstraße musste ich den Übergang für
Ausländer benützen und hatte den Vorteil, weniger lange Wartezeiten
zu haben. Vielleicht waren auch die Schikanen etwas gedämpfter. Angst
hatte ich trotzdem jedes Mal, denn auch ich hatte eine Tasche mit Geschenken,
was nicht gerne gesehen wurde. Am Abend gingen Deutsche und Ausländer
gemeinsam durch den Palast der Tränen zurück nach Westberlin.
Später fanden die Treffen außerhalb von Berlin statt und hier
hatte ich als Ausländerin zusätzliche Schwierigkeiten mit einem
Visum. Dann kamen auch private Probleme und Krankheit dazu, was leider eine
Teilnahme an weiteren Treffen unmöglich machte.
Nach vielen Jahren Unterbruch war ich dann 1991 in Gersbach wieder dabei.
Dieses Treffen war für mich ein besonderes Erlebnis und ein Beweis,
wie Kontakte und Freundschaften mit Gottes Segen über alle Grenzen und
Schwierigkeiten Bestand haben.
Rosi Trombetta-Steiner