Dank an Herrn Pfarrer Heinrich Petersen, der
Günter Richter und damit uns Liturgie und Predigt der Trauerfeier
überlassen hat. Dank auch an Uli und Christoph, die damit
einverstanden waren. Und Dank an Hannelore Stelter für die Fotos.
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Beerdigung Lisa Rohr
Wardenburg
02.01.09 11.00 Uhr Neuer
Friedhof
Orgel
Im Namen
Gottes, des Vaters und des
Sohnes und des Heiligen Geistes.
Wir nehmen
Abschied von Lisa Rohr, geb. Heins,
die im Alter von 91 Jahren unserer Mitte genommen
wurde.
Als nahe
Verwandte und Angehörige,
als solche,
die wir kürzer oder länger Weggefährten der Verstorbenen
gewesen sind, kommen
wir zusammen.
Was uns verbindet, ist die Trauer um diesen Menschen. Die
Hoffnung ist uns geschenkt, dass der Tod sie nicht scheiden kann von
der Liebe
Gottes.
Unsere
Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat, der
Bund und
Treue hält ewiglich und der nicht loslässt das Werk seiner
Hände. Amen.
- Gesang: 398, 1+2
(In dir ist Freude)
- Lesung: Ps 91, 1-16
91, 1 Wer
unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter
dem Schatten des Allmächtigen bleibt,
2 der spricht
zu dem HERRN: Meine Zuversicht und meine
Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.
3 Denn er
errettet dich vom Strick des Jägers und von der
verderblichen Pest.
4 Er wird
dich mit seinen Fittichen decken, und Zuflucht
wirst du haben unter seinen Flügeln. Seine Wahrheit ist Schirm und
Schild,
5 dass du
nicht erschrecken musst vor dem Grauen der
Nacht, vor den Pfeilen, die des Tages fliegen,
6 vor der
Pest, die im Finstern schleicht, vor der
Seuche, die am Mittag Verderben bringt.
7 Wenn auch
tausend fallen zu deiner Seite und
zehntausend zu
deiner
Rechten, so wird es doch dich nicht treffen.
8 Ja, du
wirst es mit eigenen Augen sehen und schauen, wie
den Gottlosen vergolten wird.
9 Denn der
HERR ist deine Zuversicht, der Höchste ist
deine Zuflucht.
10 Es wird
dir kein Übel begegnen, und keine Plage wird
sich deinem Hause nahen.
11 Denn er
hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich
behüten auf allen deinen Wegen,
12 dass sie
dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß
nicht an einen Stein stoßest.
13 Über
Löwen und Ottern wirst du gehen und junge Löwen
und Drachen niedertreten.
14 »Er
liebt mich, darum will ich ihn erretten; er kennt
meinen Namen, darum will ich ihn schützen.
15 Er ruft
mich an, darum will ich ihn erhören; ich bin
bei ihm in der Not, ich will ihn herausreißen und zu Ehren
bringen.
16 Ich will
ihn sättigen mit langem Leben und will ihm
zeigen mein Heil.«
- Gebet
Guter Gott, wir sind voll Trauer. Das
Loslassen fällt uns nach einem langen gemeinsamen Leben sehr
schwer.
Und dennoch können wir nur danken für Lisa Rohr,
von der wir nun Abschied nehmen
müssen:
für das Glück, das sie erlebt und das
sie anderen gebracht hat;
für die Liebe, die sie gefunden und
die sie anderen geschenkt hat;
für das Vertrauen, das sie erfüllt und
das sie in anderen geweckt hat;
auch für das Schwere, das sie getragen
hat.
Wir können dir nur danken für diesen
Menschen
und ihn dir zurückgeben im Glauben an
deinen Sohn,
der gesagt hat: Ich lebe, und ihr
sollt auch leben.
Du Gott des Friedens steh uns
bei. Amen
Predigt
Liebe Trauergemeinde,
Wir haben am Anfang gesungen:
“In dir ist Freude in allem Leide,
du süßer Jesu Christ!
Durch dich wir haben himmlische Gaben,
du der wahre Heiland bist;
hilfest von Schanden, rettest von
Banden.
Wer dir vertrauet, hat wohl gebauet,
wird ewig bleiben. Halleluja.
Zu deiner Güte steht unser G'müte,
an
dir wir kleben im Tod und Leben;
nichts kann uns scheiden. Halleluja.“
Das sind Worte der festen Zuversicht
im Glauben. Auch oder gerade im Angesicht des Todes. Worte, die Sie,
lieber
Bruder Rohr, liebe Angehörige ausgesucht haben, weil Sie in diesem
Glauben
stehen und weil auch Lisa Rohr in diesem Glauben gestanden hat.
Darum geht es doch heute hier, beim
Abschied von einem lieben Menschen, dass wir uns darauf besinnen, was
uns
trösten kann, ja, was unser einziger Trost im Leben und im Sterben
ist.
Der Heidelberger Katechismus antwortet
auf die Frage:
Was ist dein einziger Trost im Leben
und im Sterben?
Dass ich mit Leib und Seele, im Leben
und im Sterben, nicht mir, sondern meinem getreuen Heiland Jesus
Christus
gehöre. Er hat mit seinem teuren Blut für alle meine
Sünden vollkommen bezahlt
und mich aus aller Gewalt des Teufels erlöst; und er bewahrt mich
so, dass ohne
den Willen meines Vaters im Himmel kein Haar von meinem Haupt kann
fallen, ja,
dass mir alles zu meiner Seligkeit dienen muss. Darum macht er mich
auch durch
seinen Heiligen Geist des ewigen Lebens gewiss und von Herzen willig
und
bereit, ihm forthin zu leben.
An dieses Wort musste ich denken, als
Sie erzählt haben, lieber Bruder Rohr, liebe Kinder, über das
Leben von Lisa
Rohr.
Wie Sie in Kyritz als jüngstes von
vier Kindern auf einem Gut aufgewachsen ist, dann gleich nach dem
Abitur
geheiratet hat und nach Berlin gezogen ist. Dann folgten schlimme
Zeiten. Der
zweite Weltkrieg brach aus. 1941 wurde das erste Kind tot geboren.
„Siehe, um Trost war mir sehr bange“
(Jes 38,17), heißt es an einer Stelle in der Schrift bei Jesaja.
Ob Lisa Rohr damals schon ein festes
Vertrauen zum Herrn hatte, wie es der Heidelberger Katechismus
formuliert oder
wie wir es im Eingangslied gesungen haben?
Trost brauchte Sie. Wenn auch mit der
Geburt des gesunden Sohnes Friedrich 1943 zunächst sicher sehr
große Freude in
ihr Leben gekommen ist, so nahm ihr der Krieg dann ihren ersten Ehemann.
Er fiel im April 1945.
Was kann da trösten? Der Halt in der
Familie vielleicht. Dorthin, nach Kyritz, war Lisa Rohr wegen der
Luftangriffe
auf Berlin vorher schon geflohen. Doch auch dort kam die Flucht, bis
zur Elbe
und dann ging es nicht weiter. Also wieder zurück. Sie blieb mit
der Mutter und
dem Sohn in Kyritz, wo sie sich mit einer Pension für
Oberschüler über Wasser
hielten. Und Lisa Rohr trat eine Stelle als Jugendfürsorgerin im
Landratsamt
an.
„Siehe, um Trost war mir sehr bange.
Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen, dass sie nicht
verdürbe“,
heißt es dann weiter in dem Bibelwort. (Jes 38,17)
Und das tat dann der HERR. Er schenkte
die Begegnung auf einem Klassentreffen 1947. Von dort an sind Sie,
lieber
Bruder Rohr, und Ihre Frau ein Liebespaar geworden und haben 1949
geheiratet.
Sie waren noch im Theologiestudium als
Sie sich lieben lernten und Sie haben dann in Kyritz ihr Vikariat
angetreten. Und 1952, in dem Jahr als Ihre Tochter Elisabeth geboren
wurde,
traten Sie ihre erste Pfarrstelle in Rosenwinkel an.
Lisa Rohr war mit der Heirat nicht nur
die Frau vom Pfarrer geworden, sondern wurde eine Pfarrfrau, wie die
früheren Gemeinden
es sich immer wünschten.
Sie arbeitete nicht nur als
Katechetin, sondern war die erste Ansprechpartnerin im Pfarramt
für die
kleineren und größeren Sorgen der Menschen, die das Pfarramt
aufsuchten. Sie
organisierte, verteilte Hilfspakete in der Gemeinde, auch Medikamente,
bis
dahin, dass sie selber Spritzen verabreichte, natürlich auf
Anweisung des
Arztes. Frau Pastor war sie. Und was man sich vielleicht dem Pastor
nicht zu
erzählen traute, das konnte man der Frau Pastor schon eher sagen.
Sie haben
gesagt, Lisa Rohr pflegte die Kommunikation mit der Gemeinde.
Ich kann hier nicht alles aufzählen,
was mit dem Stichwort: “ das offene Pfarrhaus” verbunden ist. Sie,
lieber
Bruder Rohr und liebe Kinder, werden unzählige Erlebnisse
erzählen können, die Sie
damit verbinden. Wie sie es geschafft hat ihr Muttersein für
Friedrich,
Elisabeth und Christoph, der 1955 geboren wurde, und das Leben als
Pfarrfrau
unter einen Hut zu bringen.
Wie ich aus Ihrem Erzählen
herausgehört habe, spiegelte sich im Leben von Lisa Rohr ein
Gottvertrauen,
das ihr immer Ansporn war, sich für andere einzusetzen, für
andere da zu sein
und dem anderen immer wieder offen zu begegnen.
Gekämpft hat sie gegen Intoleranz und
für die Offenheit. Sie verlangte nicht nur von ihren Kindern eine
ganz große
Weite im Denken.
Es lag ihr immer an der wahrhaften
Begegnung mit dem anderen.
Die über 50 -jährige Begegnung mit
Menschen aus der Badischen Kirche, an der sie immer mitgewirkt hat, mag
hierfür
ein Zeichen sein.
Von Rosenwinkel über Netzen und der
Suptur in Prizwalk bis nach Friedrichswalde gingen die Stationen des
aktiven
Lebens als Pfarrfrau. Seit 1989 lebte sie nun mit ihrem Ehemann hier in
der
Nähe ihres jüngsten Sohnes.
2. Wenn wir dich haben, kann uns nicht
schaden
Teufel, Welt, Sünd oder Tod;
du hast's in Händen, kannst alles
wenden,
wie nur heißen mag die Not.
Drum wir dich ehren, dein Lob
vermehren
mit hellem Schalle, freuen uns alle
zu dieser Stunde. Halleluja.
Wir jubilieren und triumphieren,
lieben und loben dein Macht dort
droben
mit Herz und Munde. Halleluja.
Ein solches Vertrauen hatte Lisa Rohr.
“Sie hat sich nicht unter kriegen lassen von dem Schweren”, haben Sie
gesagt.
Und in diesem Vertrauen hat Lisa Rohr
immer wieder auch den Satz gesagt: “Wer
weiß, wofür es gut ist.”
Trennungen, die es in ihrem Leben
reichlich gegeben hat, haben sie nie klein bekommen. Sie ging aktiv
dagegen an.
Unterstützung erfuhr sie durch ihre Familie und durch Freunde.
Neben ihrem
Ehemann und ihren Kindern war ihr ihre Schwester immer ganz wichtig.
Sie durfte sich an Ihren Enkelkindern
Karla, Luise, Jannis, Christian, Andrea, Friederike und Konstantin
erfreuen und auch die Freude über drei Urenkel erleben.
Getragen und gestärkt, Lebenskraft und
Antriebskraft, war immer wieder der Glaube, das Vertrauen, dass Der
HERR da
ist, dass er lebt und dass wir ebenso das Leben in seiner Fülle
anpacken und
bestehen sollen. Und dass der HERR auch dann da ist, wenn wir von hier
gehen
müssen. In diesem Glauben haben Sie, lieber Bruder Rohr von ihrer
lieben Frau
Abschied genommen. In diesem Glauben wollen wir sie den gnädigen
und
fürsorgenden Händen Gottes übergeben, in der Gewissheit:
sie ist uns nur
vorausgegangen.
Und mit dem Beistand und der Hilfe
Gottes, auf die Lisa Rohr immer vertraut hat, werden alle, die heute um
sie
trauern, in einem wahrhaft ärmer gewordenen Leben nun auch ihren
weiteren Weg
finden, bis wir wieder vereint werden. Amen.
- Gesang: 66, 1+8
(Jesus ist kommen)
Abkündigungen
- Gebet/Fürbitten
Gott, unsere Zuversicht!
Du hast versprochen, dass du uns
tragen willst,
bis wir alt und grau werden.
Wir danken dir, dass du diese
Verheißung
an Lisa Rohr erfüllt hast.
Du hast ihr ein langes Leben geschenkt
und viel Gutes erwiesen.
aber auch an schwere Zeiten.
Du hast die Verstorbene geführt
durch Freude und Leid bis zu ihrem
Tod.
Nun bitten wir dich:
hilf auch uns, dass wir sie,
mit der wir so lange verbunden waren,
loslassen können.
Wir wissen, wie kostbar die uns
geschenkte Zeit ist.
Richte unseren Sinn auf das, was
bleibt,
und Lass uns deine bergende Nähe
spüren. Amen.
- EG 331, 1+11 (Großer
Gott wir loben dich)